Die Kosten, die nur einmal im Jahr kommen
Nebenkostenabrechnung, Kfz-Versicherung, Reifenwechsel, Weihnachten. Ein Monatsbudget, das diese Posten ignoriert, ist jeden Monat ein bisschen falsch und in einem Monat richtig falsch. Der Ausweg ist Rechnen, nicht Disziplin.
Elf Monate lang läuft euer Haushaltsbuch sauber. Miete, Einkauf, Kita-Beitrag, Sprit, alles ungefähr da, wo es sein soll. Dann kommt der Brief von der Hausverwaltung mit der Nebenkostenabrechnung, und die Nachzahlung ist vierstellig. Der Monat sieht aus, als hättet ihr komplett versagt.
Habt ihr aber nicht. Die Heizkosten sind das ganze Jahr über entstanden, ihr habt sie nur alle auf einmal bezahlt. Das ist ein Buchungsproblem, kein Charakterproblem.
Warum diese Posten schwerer wiegen als ihr Betrag
Unregelmäßige Ausgaben richten doppelten Schaden an. Im Monat, in dem sie fällig werden, reißen sie ein Loch. In allen anderen Monaten sorgen sie dafür, dass dein Haushaltsbuch dir ein zu gutes Bild zeigt. Du siehst einen Überschuss, der in Wahrheit schon vergeben ist, und triffst auf dieser Grundlage Entscheidungen.
Deshalb hilft es wenig, im Dezember tapfer zu sein. Das Geld war im März schon weg, es lag nur noch auf dem Girokonto herum und sah frei aus.
Erst mal alles einsammeln
Bevor du rechnest, brauchst du die Liste. In deutschen Haushalten sind das meistens dieselben Verdächtigen, und fast immer fehlen beim ersten Anlauf drei oder vier davon.
- Die Nebenkostenabrechnung, deren Nachzahlung du nie vorher kennst, deren Größenordnung du aber aus den Vorjahren abschätzen kannst.
- Jahresbeiträge, die im Lastschriftverfahren abgehen: Kfz-Versicherung, Haftpflicht, Hausrat, Verein, Gewerkschaft, ADAC, Mitgliedschaften.
- Alles rund ums Auto: Steuer, TÜV, Inspektion, zwei Reifenwechsel, der eine Satz Winterreifen alle paar Jahre.
- Der Rundfunkbeitrag, der quartalsweise abgebucht wird und deshalb in drei von vier Monaten unsichtbar ist.
- Weihnachten, Geburtstage, Einschulung, Urlaub und die Fahrt zur Familie, die alle real Geld kosten und in keinem Budget stehen.
- Zuzahlungen bei der Krankenkasse, Brille, Zahnersatz, Physiotherapie, und eine mögliche Nachzahlung aus der Steuererklärung.
Schreib zu jedem Posten einen Jahresbetrag. Wo du ihn nicht kennst, nimm den letzten bekannten Wert und leg etwas drauf. Eine grobe Zahl an der richtigen Stelle ist mehr wert als eine genaue Zahl, die es nicht gibt.
Durch zwölf teilen, und zwar sichtbar
Zähl alles zusammen und teile durch zwölf. Was herauskommt, ist der Betrag, den dein Haushalt jeden Monat für Dinge ausgibt, die nicht jeden Monat passieren. Bei vielen Familien liegt er in derselben Größenordnung wie der komplette Wocheneinkauf, und genau das ist der Moment, in dem die Zahl unangenehm wird.
Diese Zahl darf jetzt nicht im Kopf bleiben. Der übliche Weg in Deutschland ist ein zweites Konto, oft ein Tagesgeldkonto beim selben Institut, auf das ein Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang genau diesen Betrag schiebt. Die Rechnungen werden später von dort bezahlt oder das Geld wird zurückgeholt, wenn die Lastschrift auf dem Girokonto landet.
Der Preis dafür ist ehrlich zu nennen: Ihr fühlt euch jeden Monat ärmer. Auf dem Girokonto steht weniger, obwohl sich an eurem Einkommen nichts geändert hat. Wer knapp kalkuliert, kann in den ersten Monaten in die Klemme kommen, weil der Dauerauftrag läuft, die alte Jahresrechnung aber trotzdem noch fällig wird. Dann fängst du besser mit der Hälfte an und erhöhst nach einem halben Jahr.
Wie du es im Haushaltsbuch führst
Es gibt zwei brauchbare Varianten, und beide sind in Ordnung, solange ihr euch für eine entscheidet.
- Du buchst die monatliche Rücklage als Ausgabe und die spätere Rechnung gar nicht mehr. Dann sind deine Monate gleichmäßig und vergleichbar, aber dein Haushaltsbuch zeigt nie den echten Betrag, den die Versicherung gekostet hat.
- Du buchst die Rücklage als Umbuchung zwischen deinen eigenen Konten und die Rechnung dann im Monat der Zahlung. Dann stimmt jede einzelne Ausgabe, aber der Monat mit der Nebenkostenabrechnung sieht weiter dramatisch aus.
- Du machst es gemischt, was die meisten am Ende tun: kleine Jahresbeiträge über die Rücklage glattziehen, große Einzelposten wie die Nachzahlung stehen lassen, damit ihr sie im Jahresvergleich noch findet.
Wichtig ist nur, dass die Rücklage nicht als normale Ausgabe in der Kategorie Sonstiges verschwindet. Sonst suchst du im November nach Geld, das längst da ist.
Wenn die Rechnung dann kommt
Auch mit Rücklage wird die Nebenkostenabrechnung nicht immer passen. Heizkosten schwanken mit dem Winter, mit den Vorauszahlungen, manchmal mit einem Fehler in der Abrechnung. Was die Rücklage verändert, ist nicht die Höhe der Rechnung, sondern was sie mit euch macht: Sie wird von einer Krise zu einer Abweichung.
Und wenn zwei Jahre hintereinander deutlich nachgezahlt wird, ist das ein Signal, mit der Hausverwaltung über die Höhe der monatlichen Vorauszahlung zu sprechen. Eine zu niedrig angesetzte Vorauszahlung ist ein geliehener Betrag, der einmal im Jahr auf einen Schlag zurückgefordert wird.
Fang nicht mit dem perfekten System an. Nimm dir eine halbe Stunde, sammle die Jahresbeträge, die dir einfallen, teile durch zwölf und richte den Dauerauftrag ein. Was du vergessen hast, meldet sich im Lauf des Jahres von selbst, und dann trägst du es nach.
Häufige Fragen
Wie viel sollte ich monatlich für unregelmäßige Ausgaben zurücklegen?
Das lässt sich nicht allgemein sagen, weil es davon abhängt, ob du ein Auto hast, zur Miete wohnst und wie viele Versicherungen jährlich abgebucht werden. Verlässlich ist nur der Weg über deine eigenen Kontoauszüge: die letzten zwölf Monate durchgehen, jede Buchung markieren, die nicht monatlich wiederkehrt, alles addieren und durch zwölf teilen. Diese Zahl passt zu deinem Haushalt.
Brauche ich dafür wirklich ein zweites Konto?
Nötig ist es nicht, hilfreich schon. Auf dem Girokonto sieht zurückgelegtes Geld genauso aus wie freies Geld, und drei Wochen später ist der Unterschied vergessen. Ein getrenntes Konto macht die Trennung sichtbar, ohne dass du dich jeden Monat daran erinnern musst. Wer sehr diszipliniert mit einer Zahl im Haushaltsbuch arbeitet, kommt aber auch ohne aus.
Was mache ich, wenn die Nachzahlung kommt, bevor genug zurückgelegt ist?
Dann zahlst du den fehlenden Teil aus dem laufenden Monat und buchst ihn ganz normal. Das ist kein Rückschlag, sondern der erwartbare Zustand im ersten Jahr, weil die Rücklage noch nicht lange läuft. Nach der Zahlung lohnt sich ein Blick darauf, ob der monatliche Betrag zu niedrig angesetzt war, und eine Anpassung des Dauerauftrags.
Zählen Urlaub und Weihnachten wirklich zu den Fixkosten?
Fixkosten im engen Sinn sind sie nicht, weil ihr über die Höhe entscheidet. Für die Planung verhalten sie sich aber genauso: Sie kommen zuverlässig jedes Jahr, sie kommen auf einen Schlag, und sie sind groß genug, um einen Monat zu verzerren. Deshalb ist es praktischer, sie in dieselbe Rücklage zu nehmen und die Höhe vorher festzulegen, statt sie im Dezember zu improvisieren.
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