Ein Lebensmittelbudget, das den Wocheneinkauf übersteht
Beim Essen fängt fast jeder an, und genau da scheitert die geratene Zahl am schnellsten. Wie du dein Budget aus deinen eigenen Kontoauszügen ableitest und warum die erste Schätzung meistens zu niedrig ist.
Essen ist die Kategorie, bei der fast jede Familie anfängt. Sie fühlt sich beeinflussbar an, anders als die Kaltmiete oder der Beitrag zur Krankenkasse. Also legt ihr eine Zahl fest, sagen wir 500 Euro im Monat, und am 19. ist nichts mehr davon übrig.
Das liegt fast nie daran, dass ihr euch nicht zusammengerissen habt. Es liegt daran, wie diese 500 Euro zustande gekommen sind.
Warum die erste Zahl fast immer zu niedrig ist
Wenn du ein Lebensmittelbudget schätzt, denkst du an den normalen Einkauf. An den Dienstag beim Discounter, Wagen halbvoll, siebzig Euro. Vier Wochen, also knapp dreihundert, plus ein bisschen Puffer. Die Rechnung wirkt sauber.
Was in dieser Rechnung fehlt, ist alles, was nicht der normale Einkauf ist. Der Samstag beim Bäcker. Die zwei Kästen Wasser, die extra geholt werden. Der Zwischeneinkauf am Donnerstag, weil die Milch leer war. Das Fleisch, wenn Besuch kommt. Der Kaffee unterwegs. Deine Schätzung bildet den typischen Einkauf ab, dein Kontoauszug am Monatsende bildet alle Einkäufe ab. Der Unterschied zwischen beiden ist genau der Betrag, an dem das Budget zerbricht.
Deshalb hilft es wenig, die Zahl später einfach ein bisschen anzuheben. Solange sie geraten ist, rätst du beim nächsten Mal wieder daneben.
Hol dir die Zahl aus deinen eigenen Kontoauszügen
Die beste Quelle für dein Lebensmittelbudget bist du selbst, drei Monate rückwärts. Auf deinem Girokonto steht das meiste schon, du musst es nur zusammenzählen.
- Nimm die Umsätze der letzten drei Monate und markiere jede Buchung, bei der Lebensmittel dabei waren, egal ob Supermarkt, Discounter, Wochenmarkt, Bäcker oder Getränkemarkt.
- Für Monate, in denen viel bar bezahlt wurde, schätzt du lieber großzügig nach oben und notierst dir, dass diese Zahl geschätzt ist.
- Bilde nicht nur den Durchschnitt der drei Monate, sondern schau dir zusätzlich den teuersten an und frag dich, was ihn teuer gemacht hat.
- Setze dein Budget zwischen den Durchschnitt und den teuersten Monat, nicht darunter.
Der letzte Schritt fühlt sich falsch an, weil ein höheres Budget nach Aufgeben klingt. Es ist das Gegenteil. Eine Zahl, die du in acht von zwölf Monaten hältst, sagt dir etwas über deine Ausgaben. Eine Zahl, die du nie hältst, sagt dir nur, dass sie zu tief angesetzt war, und das jeden Monat aufs Neue.
Wo genau hört Essen auf
Der Bon aus dem Supermarkt ist selten ein reiner Lebensmittelbon. Waschmittel, Windeln, Katzenfutter, Blumenerde und eine Grillzange stehen mit drauf. Wenn du solche Bons komplett unter Lebensmittel verbuchst, wirkt dein Essensbudget größer als es ist, und du suchst den Fehler beim Kochen, obwohl er in der Drogerieabteilung liegt.
Es gibt mehrere brauchbare Wege damit umzugehen, und jeder kostet etwas:
- Du buchst den ganzen Bon als Lebensmittel und nimmst in Kauf, dass Haushaltswaren mit drinstecken. Das geht sehr schnell, dafür ist die Zahl unscharf, und von Monat zu Monat unterschiedlich unscharf.
- Du teilst größere Bons in zwei Positionen auf, Lebensmittel und Haushalt, und lässt kleine Bons ungeteilt. Das dauert pro Einkauf etwa eine halbe Minute, dafür werden die Monate untereinander vergleichbar.
- Du legst eine feste Grenze fest, etwa dass Drogerie und Tierfutter nur getrennt werden, wenn sie zusammen über zwanzig Euro liegen, und hältst dich stur daran, auch wenn es im Einzelfall unsauber wirkt.
Welchen Weg ihr nehmt, ist ziemlich egal. Wichtig ist nur, dass alle im Haushalt denselben nehmen. Wenn eine Person aufteilt und die andere nicht, vergleichst du am Jahresende zwei verschiedene Kategorien miteinander und wunderst dich über den Sprung.
Die kleinen Beträge, die niemand mitzählt
Pfand ist der Klassiker. Du zahlst es beim Kauf mit und bekommst es beim nächsten Einkauf über den Leergutbon wieder abgezogen. Wenn du jeden Einkauf brutto erfasst, schwankt dein Lebensmittelbudget dadurch von Woche zu Woche, ohne dass sich am Essen irgendetwas geändert hätte. Am wenigsten Ärger machst du dir, wenn du schlicht den Betrag buchst, der tatsächlich vom Konto gegangen ist, also inklusive Pfand und abzüglich Leergut, und Pfand nicht als eigene Kategorie führst. Über einen ganzen Monat gleicht sich das weitgehend aus.
Das Zweite sind Bäcker, Kiosk und Kaffee unterwegs. Einzeln sind das zwei bis fünf Euro, zusammen kommt in vielen Haushalten über den Monat der Betrag eines kompletten Wocheneinkaufs zusammen. Du musst diese Ausgaben nicht abschaffen. Aber wenn sie nirgends auftauchen, wirkt dein Supermarkteinkauf teurer, als er wirklich ist, und du sparst an der falschen Stelle.
Was den Betrag tatsächlich bewegt
Wenn du den Betrag senken willst, wirken in den meisten Haushalten drei Dinge, und jedes davon hat einen Preis. Ein fester Wocheneinkauf mit Liste reduziert die Zwischeneinkäufe deutlich, verlangt aber, dass ihr am Wochenende eine halbe Stunde für Essensplanung übrig habt. Der Wechsel zu einem günstigeren Markt drückt den Bon spürbar, kostet aber Fahrzeit und manchmal Auswahl, wenn er weiter weg liegt. Weniger Lieferdienst und weniger Mittagessen außer Haus schlägt am stärksten durch, greift aber genau an den Tagen, an denen ohnehin schon alles zu viel ist.
Keine dieser Maßnahmen ist ein Muss. Es sind Tauschgeschäfte, und in manchen Lebensphasen ist der Lieferdienst am Mittwochabend sein Geld wert.
Wenn der Monat trotzdem drüber geht
Dann ist das keine gescheiterte Woche, sondern eine Information. Schau dir an, welche Einkäufe den Ausschlag gegeben haben. Oft sind es zwei oder drei große Bons mit einem klaren Anlass: ein Geburtstag, Besuch über das Wochenende, ein Vorratskauf. Solche Monate kommen nicht ständig, aber sie kommen ein paarmal im Jahr verlässlich wieder. Wenn du das weißt, kannst du sie einplanen, statt dich über sie zu ärgern.
Und wenn du drei Monate hintereinander deutlich drüber liegst, ohne dass sich ein Anlass finden lässt, dann war nicht der Einkauf falsch. Dann war die Zahl falsch, und du darfst sie einfach korrigieren.
Häufige Fragen
Wie viel sollte eine vierköpfige Familie im Monat für Lebensmittel einplanen?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, weil Wohnort, Einkaufsstätte, Ernährung und das Alter der Kinder den Betrag stark verschieben. Verlässlich ist nur der Weg über deine eigenen Umsätze: drei Monate zusammenzählen, den teuersten Monat als obere Grenze nehmen und das Budget zwischen Durchschnitt und Maximum setzen. Diese Zahl passt zu deinem Haushalt, eine fremde Zahl aus dem Internet passt zu keinem.
Gehören Drogerieartikel ins Lebensmittelbudget?
Sie gehören nicht wirklich dazu, weil sie sich anders verhalten: Waschmittel und Windeln kaufst du in Schüben, Lebensmittel gleichmäßig. Ob du sie trotzdem mitbuchst, ist eine Frage des Aufwands. Wenn ihr nur wissen wollt, ob der Monat aufgeht, reicht ein gemeinsamer Topf. Wenn ihr die Essenskosten über Monate vergleichen wollt, lohnt es, größere Bons in zwei Positionen zu teilen.
Wie erfasse ich Pfand, ohne dass die Zahlen springen?
Am einfachsten buchst du den Betrag, der wirklich vom Konto abgebucht wurde, also mit gezahltem Pfand und schon abgezogenem Leergut. Pfand als eigene Kategorie zu führen bringt fast nie neue Erkenntnisse, macht aber jeden Einkauf zu einer kleinen Rechenaufgabe. Über einen Monat gleichen sich gezahltes und zurückerhaltenes Pfand ohnehin weitgehend aus.
Was mache ich, wenn wir das Budget jeden Monat überschreiten?
Schau dir zuerst an, ob einzelne große Einkäufe den Ausschlag geben oder ob es gleichmäßig zu viel ist. Bei einzelnen Anlässen hast du kein Budgetproblem, sondern unregelmäßige Ausgaben, die du getrennt einplanen kannst. Wenn es gleichmäßig zu viel ist und das drei Monate hintereinander, war die Ausgangszahl zu niedrig. Dann ist es sinnvoller, sie anzuheben, als jeden Monat neu zu scheitern.
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