Warum ein Budget festzulegen schwerer ist als mitzuschreiben
Aufschreiben beschreibt, was war. Ein Budget ist eine Vorhersage plus eine Zusage an dich selbst. Das sind zwei verschiedene Aufgaben, und die zweite scheitert aus Gründen, die nichts mit Disziplin zu tun haben.
Das Mitschreiben läuft irgendwann fast von allein. Der Bon vom Wocheneinkauf, die Karte an der Tankstelle, der Bäcker am Samstagmorgen – abends fünf Minuten, und das Haushaltsbuch ist wieder aktuell. Dann setzt du dich hin, um Zahlen für den kommenden Monat festzulegen, und plötzlich geht gar nichts mehr voran.
Das ist kein Disziplinproblem. Erfassen und Budgetieren sehen nur deshalb ähnlich aus, weil am Ende in beiden Fällen Zahlen in derselben Übersicht stehen. In Wirklichkeit sind es zwei verschiedene Aufgaben, und die zweite ist die unangenehmere.
Die eine Zahl ist passiert, die andere ist ein Versprechen
Wenn du einen Einkauf von 63 Euro einträgst, bewertest du nichts. Der Betrag steht so auf dem Kontoauszug, du ordnest ihn einer Kategorie zu, fertig. Ein Budget für Lebensmittel ist etwas anderes. Darin stecken zwei Dinge gleichzeitig: eine Schätzung, wie viel ihr voraussichtlich braucht, und eine Zusage, nicht mehr auszugeben.
Diese Doppelrolle ist der eigentliche Grund für den Frust. Wenn der Monat über der Zahl endet, kannst du nicht erkennen, was davon schiefgelaufen ist. War die Schätzung zu niedrig angesetzt? Oder war sie realistisch und ihr habt euch anders verhalten als gedacht? Aus einer einzigen Zahl lässt sich das nicht herauslesen. Und weil es sich nicht herauslesen lässt, fühlt es sich einfach nach Versagen an.
Der Blick zurück reicht als Grundlage nicht aus
Der naheliegende Weg: drei Monate Haushaltsbuch ansehen, Durchschnitt bilden, das ist dann das Budget. Für alles, was jeden Monat ungefähr gleich aussieht, funktioniert das gut. Für den Rest funktioniert es nicht, weil die großen Posten in deinen drei Monaten gar nicht vorkommen.
- Die Nebenkostenabrechnung kommt einmal im Jahr, und ob am Ende eine Rückzahlung oder eine Nachforderung steht, weiß vorher niemand sicher.
- Versicherungen und der Rundfunkbeitrag werden häufig im Quartals- oder Jahresrhythmus abgebucht und fallen deshalb in den meisten Monaten komplett aus.
- Beim Zahnarzt oder in der Apotheke fällt eine Zuzahlung an, die sich weder vorhersagen noch sauber auf zwölf Monate verteilen lässt.
- Geburtstage, Weihnachten und der Sommerurlaub liegen fast immer außerhalb eines beliebig gewählten Drei-Monats-Fensters.
Ein Durchschnitt aus Februar, März und April sagt dir also vor allem, wie Februar, März und April waren. Als Vorhersage für November taugt er wenig. Wenn du das ignorierst, hat das einen Preis: Dein Budget wird ausgerechnet in den Monaten gerissen, in denen ohnehin viel los ist.
Zwei Zahlen sind ehrlicher als eine
Eine Möglichkeit, die Doppelrolle aufzulösen: Trenne die Schätzung von der Grenze. Schreib für jede Kategorie auf, womit du rechnest – und daneben, ab welchem Betrag du genauer hinschauen willst. Die erste Zahl darf sich irren, ohne dass jemand ein schlechtes Gewissen bekommt. Die zweite ist ein Signal, kein Urteil.
Das kostet etwas: mehr Aufwand beim Einrichten und eine unübersichtlichere Tabelle. Wenn ihr ohnehin gut über Geld sprechen könnt, lohnt sich der Zusatzschritt kaum. Laufen Gespräche über den Einkauf dagegen regelmäßig schief, nimmt genau diese Trennung die Schärfe raus: Ihr redet dann über eine Schätzung, die daneben lag, und nicht über eine Person.
Womit du anfangen kannst, ohne alles auf einmal festzulegen
Du brauchst nicht für jede Kategorie eine Zahl. Die meisten Haushalte kommen mit sehr wenigen aus, wenn sie in einer sinnvollen Reihenfolge entstehen.
- Nimm zuerst alles, was per Dauerauftrag oder Lastschrift vom Girokonto geht – Miete, Strom, Handyvertrag, Kita-Beitrag. Das sind keine Prognosen, das sind feststehende Beträge.
- Leg danach eine einzige Zahl für den variablen Alltag fest, statt getrennte Werte für Lebensmittel, Drogerie, Bäcker und Café zu erfinden.
- Sammle die unregelmäßigen Jahresposten in einer eigenen Liste mit ungefährem Fälligkeitsmonat, statt sie rechnerisch in den Monat hineinzuziehen.
Nach zwei oder drei Monaten siehst du, wo deine Schätzung deutlich danebenlag. Das ist der Moment, in dem eine Zahl angepasst wird – nicht der Moment, in dem jemand etwas erklären muss.
Wenn die Zahl doch gerissen wird
Die erste Frage ist dann nicht, wer schuld ist, sondern woran es lag. Ein Posten, der in der Schätzung nie vorgesehen war, gehört in die Liste der unregelmäßigen Ausgaben. Viele kleine Beträge, die sich summiert haben, sprechen für eine zu niedrige Schätzung. Und manchmal war der Monat einfach anders, weil Besuch da war oder das Auto in die Werkstatt musste.
Keiner dieser drei Fälle verlangt, dass du im nächsten Monat besonders streng mit dir bist. Sie verlangen jeweils eine andere Korrektur an der Übersicht. So bleibt das Budget das, was es realistischerweise sein kann: eine Arbeitsannahme, die du alle paar Monate nachziehst – und nicht eine Prüfung, die du bestehst oder nicht.
Häufige Fragen
Wie viele Monate sollte ich mitschreiben, bevor ich ein Budget aufstelle?
Für die festen Posten reicht ein einziger Monat, denn Miete, Versicherungsbeiträge und Abos ändern sich nicht von selbst. Für die variablen Ausgaben werden die Zahlen ab ungefähr drei Monaten brauchbar. Wirklich verlässlich wird das Bild aber erst nach einem vollständigen Jahr, weil erst dann Urlaub, Weihnachten und die Nebenkostenabrechnung mit drin sind.
Soll ich die Nebenkostenabrechnung anteilig ins Monatsbudget einrechnen?
Beides ist vertretbar. Rechnest du sie anteilig ein, sieht jeder Monat ruhiger aus, aber dein Haushaltsbuch stimmt nicht mehr mit dem Girokonto überein. Führst du sie im Monat der Zahlung, bleibt der Abgleich mit dem Konto einfach, dafür fällt dieser eine Monat komplett aus dem Rahmen. Viele führen sie deshalb getrennt neben dem Monatsvergleich.
Was mache ich, wenn ich mein Budget jeden Monat überschreite?
Wenn eine Zahl über mehrere Monate reißt, ist meistens die Zahl falsch und nicht das Verhalten. Schau nach, welche Ausgaben regelmäßig darüber hinausgehen, und prüfe, ob sie überhaupt in diese Kategorie gehören. Häufig sammelt sich unter Lebensmittel alles vom Drogeriemarkt bis zum Geschenk. Dann hilft es mehr, den Posten aufzuteilen, als die Grenze zu verschieben.
Lohnen sich getrennte Budgets für jede Person im Haushalt?
Das hängt davon ab, was ihr klären wollt. Getrennte Zahlen machen persönliche Ausgaben sichtbar und ersparen Diskussionen über die Hobbys des anderen. Sie erzeugen aber auch einen Vergleich, den nicht jeder Haushalt haben möchte. Eine mildere Variante: ein gemeinsames Budget für alles, was den Haushalt betrifft, und ein kleiner freier Betrag pro Person, der nicht begründet werden muss.
Nimm dir einen Monat
Fambook gibt einem Haushalt ein gemeinsames Buch: Jeder trägt in Sekunden etwas ein, an jeder Buchung steht, wer es war, und der Monat summiert sich an einer Stelle statt an zweien. Es schreibt ohne Netz und synchronisiert danach. Buchen, Kategorien, Budgets, Auswertungen, CSV-Import und -Export, Synchronisierung und das Teilen zu zweit sind kostenlos — das Abo kauft dir nur weniger Tipparbeit.