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Wenn nur noch ein Einkommen hereinkommt

Elternzeit, Jobverlust, die Pflege eines Angehörigen, eine Auszeit. Was sich ändert, wenn der Haushalt von einem Einkommen lebt, und wie ihr das Geld so ordnet, dass niemand das Gefühl hat, fremdes Geld auszugeben.

Solange beide verdienen, funktionieren die meisten Absprachen von allein. Jeder überweist etwas aufs Gemeinschaftskonto, davon gehen Miete, Nebenkosten und Einkauf ab, und der Rest bleibt jedem selbst. Niemand muss darüber reden.

Dann kommt die Elternzeit, eine Kündigung, die Pflege eines Elternteils oder eine Auszeit zwischen zwei Stellen. Und plötzlich trägt eine Person die Fixkosten, während die andere einen kleinen Betrag oder gar nichts überweisen kann. Rechnerisch ist das einfach. Emotional ist es der schwierigste Zustand, den ein gemeinsames Haushaltsbuch abbilden muss.

Der Fehler, der fast automatisch passiert

Wenn die alte Aufteilung bestehen bleibt, entsteht sofort ein Gefälle. Der eine zahlt, der andere gibt aus. Nach ein paar Wochen fragt jemand, ob die neue Jacke jetzt wirklich sein musste, oder er fragt es nicht und denkt es trotzdem, was fast noch schlechter ist.

Was dahinter steckt, ist eine stille Umdeutung: Das Einkommen gehört der Person, auf deren Konto es eingeht. Das ist eine Buchungstatsache, aber selten das, was ihr eigentlich vereinbart habt. Wer zu Hause bleibt, um ein Kind zu betreuen oder einen Angehörigen zu pflegen, arbeitet, nur ohne Überweisung am Monatsende.

Es hilft, das einmal ausdrücklich auszusprechen, bevor die erste Diskussion über eine Anschaffung kommt. Danach ist es viel schwerer, es nachzuholen.

Vom Kopfrechnen zum Haushaltseinkommen

Die praktikabelste Umstellung ist auch die einfachste: Es gibt kein Einkommen von zwei Menschen mehr, sondern ein Einkommen des Haushalts. Alles, was hereinkommt, wird zusammengezählt, egal auf welches Konto es fällt.

In deutschen Haushalten gehören dazu neben dem Gehalt oft weitere Posten, die leicht übersehen werden, weil sie unregelmäßig kommen oder als selbstverständlich gelten: Kindergeld, Elterngeld während der Elternzeit, Leistungen bei Arbeitslosigkeit oder Krankengeld, dazu Pflegegeld, wenn ein Angehöriger zu Hause versorgt wird.

Aus dieser Gesamtsumme werden alle gemeinsamen Kosten bezahlt. Und daraus bekommen beide einen persönlichen Betrag, über den niemand Rechenschaft ablegt. Genau dieser zweite Teil ist der entscheidende, und er wird am häufigsten weggelassen.

Warum beide persönliches Geld brauchen

Ohne eigenen Betrag muss die Person ohne Einkommen jede noch so kleine Ausgabe gegenüber dem Gemeinschaftskonto begründen. Ein Friseurtermin, ein Buch, ein Kaffee mit einer Freundin. Nichts davon ist teuer, aber jedes davon wird zu einer kleinen Bitte, und drei Monate solcher Bitten verändern das Verhältnis.

Deshalb gehört in jede Phase mit einem Einkommen ein fester Betrag für beide, gleich hoch, per Dauerauftrag am selben Tag. Er darf klein sein. Wichtig ist, dass er existiert und dass niemand fragt, was damit passiert ist.

Auch das hat einen Preis, der genannt werden sollte: In einer angespannten Lage fühlt es sich falsch an, Geld für Persönliches abzuzweigen, wenn ohnehin wenig da ist. Wer sehr knapp kalkuliert, muss den Betrag klein halten. Aber ihn auf null zu setzen, spart selten so viel, wie es an Reibung erzeugt.

Was ihr konkret umstellt

  1. Rechnet einmal das gesamte Haushaltseinkommen zusammen, inklusive Kindergeld und aller Ersatzleistungen, und schreibt die Zahl auf.
  2. Listet die gemeinsamen Fixkosten auf: Miete, Nebenkosten, Strom, Versicherungen, Rundfunkbeitrag, Kita-Beitrag, Mobilität, und prüft, welche Daueraufträge noch von der Aufteilung aus der Zeit mit zwei Gehältern stammen.
  3. Legt fest, von welchem Konto das alles bezahlt wird, und richtet den Zahlungsfluss so ein, dass die Person ohne Einkommen ebenfalls Zugriff darauf hat.
  4. Setzt für beide denselben persönlichen Betrag an und richtet zwei Daueraufträge ein, statt es monatlich zu entscheiden.

Der dritte Punkt wird oft übersehen und ist der wichtigste. Wenn der Einkauf und die täglichen Ausgaben nur über die Karte der verdienenden Person laufen, ist die andere für jede Kleinigkeit auf sie angewiesen, auch wenn beide es so nie gemeint haben.

Wie ihr im Haushaltsbuch damit umgeht

Führt in dieser Zeit keine Aufstellung darüber, wer wie viel beigetragen hat. Eine solche Rechnung entsteht schnell und wird bei der nächsten Meinungsverschiedenheit hervorgeholt, und ab dann ist das Haushaltsbuch kein Werkzeug mehr, sondern eine Beweissammlung.

Sinnvoll ist stattdessen, den Monat des Wechsels zu markieren. Wenn ihr im Herbst seht, dass die Sparrate seit dem Frühjahr niedriger ist, sollt ihr sofort erkennen, dass sich die Einnahmenseite geändert hat und nicht euer Verhalten.

Und vereinbart einen Zeitpunkt, an dem ihr die Aufteilung wieder anschaut, etwa wenn das Elterngeld ausläuft oder eine neue Stelle beginnt. Solche Übergänge kommen sonst überraschend, obwohl das Datum lange bekannt war.

Häufige Fragen

Wie teilen wir die Kosten, wenn nur einer verdient?

Nicht mehr nach Personen, sondern aus einem gemeinsamen Topf. Zählt alle Einnahmen zusammen, bezahlt daraus die gemeinsamen Kosten und nehmt für beide denselben persönlichen Betrag heraus. Eine prozentuale Aufteilung ergibt hier keinen Sinn mehr, weil eine Seite nichts einzahlen kann, und jede Verrechnung nach Anteilen erzeugt nur ein Gefälle, das ihr nicht wollt.

Braucht die Person ohne eigenes Einkommen Zugriff auf das Konto?

Ja, sonst funktioniert der Alltag nicht. Wer den Wocheneinkauf macht, Kleidung für die Kinder besorgt und zur Kinderärztin fährt, muss ohne Nachfragen bezahlen können. Praktisch löst das ein Gemeinschaftskonto mit zwei Karten oder eine Vollmacht auf dem bestehenden Konto. Ohne diesen Zugriff wird jede alltägliche Ausgabe zu einer Bitte.

Sollten wir aufschreiben, wer in dieser Zeit wie viel eingezahlt hat?

Davon ist abzuraten. Eine solche Aufstellung entsteht leicht und lässt sich später schwer wieder aus dem Raum bekommen, weil sie in Konflikten als Argument auftaucht. Wenn ihr etwas festhalten wollt, dann Vereinbarungen für größere Anschaffungen und den Zeitpunkt, an dem ihr die Aufteilung überprüft, nicht eine laufende Bilanz zwischen euch.

Wie groß sollte der persönliche Betrag sein?

Groß genug, dass alltägliche Kleinigkeiten ohne Absprache möglich sind, und klein genug, dass er den Haushalt nicht belastet. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern dass beide denselben Betrag bekommen und dass niemand berichten muss, wofür er ausgegeben wurde. Bei knappen Verhältnissen ist ein kleiner Betrag deutlich besser als gar keiner.

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